Perspektiven
Die Haltung von Löwen als Haustiere durch Privatpersonen wirft tiefgreifende Fragen auf – in ethischer, tierschutzrechtlicher, sicherheitsrelevanter und rechtlicher Hinsicht. Dieses Positionspapier des Ausschusses „Löwen als Haustiere“ beleuchtet die wichtigsten Aspekte der Thematik und formuliert eine fachlich fundierte Position, die als Grundlage für gesetzgeberische Überlegungen und öffentliche Debatten dienen soll.
Das Papier geht folgenden Leitfragen nach
- Ist die Haltung von Löwen durch Privatpersonen ethisch vertretbar?
- Welche Bedingungen wären notwendig, um Tierwohl zu gewährleisten?
- Welche Risiken bestehen für Halter*innen, Nachbarschaft und Rettungskräfte?
- Welche Auswirkungen hat private Haltung auf globale Artenschutzbemühungen?
- Reichen aktuelle rechtliche Regelungen aus – und wo gibt es Handlungsbedarf?
In einigen Ländern ist es (teilweise) erlaubt, Löwen in privater Haltung zu halten. Der Trend zur Exotenhaltung wächst, insbesondere in sozialen Medien, was zu Nachahmung und unkontrollierter Nachfrage führen kann. Die Haltung von Großkatzen in nicht spezialisierten, häuslichen Umgebungen steht jedoch im Spannungsfeld zwischen Faszination, Tierleid, öffentlicher Sicherheit und Artenschutz.
- Tierschutz: Löwen haben komplexe Bedürfnisse in Bezug auf Raum, Bewegung, Sozialverhalten und Jagdinstinkte. Die private Haltung kann diese Bedürfnisse kaum artgerecht erfüllen. Stress, Verhaltensstörungen und gesundheitliche Schäden sind häufige Folgen.
- Sicherheit: Ein ausgewachsener Löwe stellt ein erhebliches Gefährdungspotenzial dar. Unzureichende Sicherung, menschliches Fehlverhalten oder Flucht können dramatische Folgen für die öffentliche Sicherheit haben.
- Ethik: Die Frage nach der moralischen Legitimation, Wildtiere in ein privates Umfeld zu zwingen, steht im Zentrum. Die Instrumentalisierung eines Wildtiers zur Unterhaltung oder Selbstdarstellung widerspricht vielen Tierschutzgrundsätzen.
- Recht: Zwar existieren internationale Regelwerke wie das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), jedoch variieren nationale Regelungen stark. In einigen Ländern ist die Haltung erlaubt, in anderen verboten oder streng reglementiert. In Deutschland etwa bestehen Lücken im Umgang mit privaten Wildtierhaltungen.
Der Ausschuss spricht sich gegen die private Haltung von Löwen aus und empfiehlt ein bundesweites Verbot, ergänzt durch folgende Maßnahmen:
Gesetzliches Verbot der privaten Haltung von Löwen und anderen Großkatzen
Rückführung bestehender Tiere in kontrollierte Einrichtungen oder spezialisierte Wildtierstationen
Einführung eines zentralen Wildtierregisters zur Erfassung und Überwachung exotischer Haustiere
Verstärkte Aufklärungskampagnenüber Tierwohl, Artenschutz und Gefahren der Exotenhaltung
Förderung wissenschaftlicher und tierschutzrelevanter Forschung zur artgerechten Wildtierhaltung
Alternativpositionen, etwa die Haltung unter strengen Auflagen, wurden geprüft, aber aus Sicht des Ausschusses verworfen, da sie das Grundproblem – das Unvereinbare von Wildtier und Wohnzimmer – nicht lösen.
Im nächsten Schritt erfolgt die Konsolidierung von Expertenanhörungen, öffentlichen Stellungnahmen und wissenschaftlichen Beiträgen. Ziel ist die Vorlage eines Gesetzentwurfs auf Basis dieses Positionspapiers und die Einbindung weiterer relevanter Akteure.
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